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Rennbericht zur Deutschen Meisterschaft im Zweier-Mannschaftsfahren auf der Radrennbahn in Chemnitz

 

Am Donnerstag, den 05.07.01 brachen wir – Stefan Mittelhammer/Holger Burth und Florian Owen/Maurice Friedemann mit unserem Betreuer Jens Borrmann – um 5:30 Uhr Richtung Chemnitz auf. Um diese Uhrzeit waren die Straßen wir leergefegt und wir konnten ohne größere Zwischenstopps nach Sachsen fahren. Jens kennt sich in seiner Heimatstadt super aus, so dass wir sofort die Radrennbahn gefunden hatten. Der Weg, der zur Bahn führte glich eher dem Gang der Gladiatoren zu ihrer Arena. Wir hatten ein eher mulmiges Gefühl als wir in diese Röhre gingen, schließlich haben wir schon viel über diese Bahn gehört aber es sollte unsere Erwartungen übertreffen.

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Eingang zur Radrennbahn in Chemnitz

Auf der anderen Seite des Tunnels tat sich die 333 Meter lange und 12 Meter breite Betonbahn auf. Die Kurven waren mit 49° übermäßig steil; fast schon wie Mauern eines Gefängnisses schienen die Kurven der Radrennbahn in den Himmel zu ragen. Wir waren alle sichtlich beeindruckt und standen erst mal sprachlos vor dem riesigem Ungetüm.

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Die Radrennbahn in Chemnitz mit ihren steilen Kurven

 

Die Sprachlosigkeit hatte sich bald gelegt und wir beschlossen ein paar Runden auf dem Betonoval zu drehen. Unsere Bahnräder, die Straßenräder, die Rollen, die Taschen und das Werkzeug sowie die Verpflegung holten wir einzeln aus dem Bus heraus und verstauten es in einer uns zugewiesenen Garage. Wir bauten unsere Trainingslaufräder in die Bahnmaschinen, stimmten die Übersetzung ab, pumpten 10 Bar Luft in unsere Reifen und dann konnte es schon losgehen. 

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Im Vordergrund unser Betreuer Jens, der als alter Hase die Bahn schon sehr gut kannte und deswegen gut lachen hatte. Wir waren indes mit dem aufpumpen der Laufräder beschäftigt. Übrigens rechts am oberen Bildrand könnt ihr die Look-Rennmaschine von dem Supersprinter Jens Fiedler sehen, der am darauffolgenden Tag im Sprint nur Vierter werden sollte.

 

Die ersten Meter offenbarten schon einiges...
Die Fugen der Betonplatten wurden kurz vor der Deutschen Meisterschaft noch ausgespachtelt. Trotzdem holperten unsere Bahnmaschinen mehr auf dem Beton, als dass sie dahinrollten. Die Kurven schauten auf dem Rad zwar nicht mehr so schlimm aus als noch am Anfang, respekteinflößend waren sie alle male. Die Radrennbahn unterteilte sich in den Kurven in verschiedene Segmente. Da war einmal der Bereich unter der schwarzen Linie, der gänzlich flach war und somit der „Cote Azur“ auf den Holzbahnen nahe kam. Von der schwarzen bis zur roten Linie, im sogenanntem Sprintkorridor (in diesem Bereich kann der Sprinter „Wellen“ fahren wie er Lust hat; kommt er allerdings im Sprint darüber hinaus wird es als Regelverstoß mit Distanzierung geahndet), war die Bahn nur mäßig steil. Bei größeren Geschwindigkeiten musste man sehr konzentriert fahren, damit es Einen, wegen der Fliegkraft, nicht nach außen trug. Über der Roten bis zur zweiten schwarzen Linie war keine besondere Erhöhung in den Kurven festzustellen. Fast gerade war dort der Beton und somit ein wirkliches Handicap bei hohen Geschwindigkeiten. Über der zweiten schwarzen Linie konnten wir gar nicht schnell genug fahren, um ein einigermaßen sicheres Gefühl zu haben. Bei geringeren Geschwindigkeiten, die wir von vielen Bahnen gewohnt sind zu fahren, setzte die rechte Pedale auf. Auf einer 333 Meter langen Betonbahn dauert es in der Regel von einem bis zum nächsten Wechsel 700 Meter. Bei der Steilheit der Kurven muss der langsame Fahrer, der stets oberhalb der blauen Linie fahren muss, so enorm schnell fahren, dass aus den 700 Meter ganz schnell 1000 Meter werden können. Ein Wahnsinn im Rennen.Nach unserer ersten Stippvisite luden wir unsere Straßenräder und all den anderen Kram ein (nur die Bahnräder ließen wir in unserer Garage zurück) und fuhren zum Hotel. Ein kleines aber schönes Hotel. Nach dem Mittagessen und einer kleinen Pause setzten wir uns nochmals auf das Rad (diesmal das Straßenrad) und fuhren ein Stück aus Chemnitz heraus.

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...auf den Strassen Sachsens unterwegs. Links Maurice, daneben Holger und rechts Stefan

Nach dem lockerem Training kauften wir ein paar Lebensmittel (hauptsächlich Müsli) und Getränke (schließlich war es mit      28° C richtig warm) ein. Am Abend genossen wir ein super Abendbrot in dem wohl einzigstem Italiener in Chemnitz. Zum Standard gehörte dort, dass der Salat vom Ober selber angemacht wurde. Auch die Begrüßung durch den Besitzer selber zeigte eine gewisse Klasse. Am Abend wurden wir von Jens ordentlich durchgeknetet. Er bescheinigte uns gute Beine und ließ uns an eine gute Platzierung am nächsten Tag, dem Wettkampfstag, hoffen.
Nach einer erholsamen Nacht ließen wir uns das Müsli schmecken, dazu gab es Semmeln und auch Kuchen (Danke Jens!!!). Bis zur Mittagszeit vertrieben wir uns die Zeit durch TV sehen, Musik hören oder SMS – schreiben (bei Stefan hörte das Handy gar nicht auf zu klingeln, ständig bekam er Nachrichten).
Dann bewegten wir unsere müden Knochen ein letztes Mal auf das Straßenrad und fuhren eine kleine Runde, damit unsere Beine locker wurden.

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...noch strahlen alle aber nicht mehr lange; noch 6 Stunden bis zum Start. Links Maurice, in der Mitte Stefan und rechts Holger

Zurück im Hotel nahmen wir die letzten Kohlenhydrate zu uns. Anschließend wurden unsere Beine von Jens liebevoll massiert. Immer näher rückte nun unser Start (18:50 Uhr). Die Stimmung war aber immer noch locker und gelöst. Zwei Stunden vor unserem Start packten wir unsere Sachen zusammen, die wir für unser Rennen später benötigten, gingen ein letztes Mal auf die Toilette (War es der Angstschiss ???) und zogen uns an.

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Vor der Abfahrt zum Start des Zweier-Mannschaftsrennens. Von links nach rechts Florian, Maurice, Holger und Stefan

 

In der Mitte der Radrennbahn wurden für die verschiedenen Landesverbände Boxen zur Verfügung gestellt in denen sich die einzelnen Fahrer auf ihren Wettkampf vorbereiten konnten. Stefan und Holger, die zusammen als Team 12 an den Start gingen, erhielten vom Veranstalter ein grellgrünes Trikot, das sicherlich nicht zu übersehen war. Florian und Maurice bekamen ein optisch schöneres Trikot in dunkelgrau mit der Team Nummer 11. Wir entschieden zusammen eine Übersetzung von 50 * 15 Zähnen (50 Zähne hat das vordere Kettenblatt und 15 Zähne das hintere Ritzel) zu wählen, da die Radrennbahn schlecht rollte und wir daher ein eher langsameres Tempo erwarteten.
Eine halbe Stunde vor dem Start rollten wir uns auf der Rolle ein und brachten uns auf „Betriebstemperatur“ (bei der Hitze, die in der Arena herrschte war das nicht schwer).

 

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Florian  im Vorfeld des Rennens auf der Rolle

Die letzten Minuten vor dem Start spürte man die Anspannung und die Nervosität, die sich breit machte. Jeder Einzelne ging in sich, trank noch einen Schlug aus der Trinkflasche und prüfte ein letztes Mal das Material. In mitten der Arena drehten die Fahrer der Mannschaften einsam ihre Runden und versuchten sich auf das bevorstehende Rennen zu konzentrieren; das Team Steinweg / Weisspfennig (die amtierenden Weltmeister in dieser Disziplin), Walzer, Wächter, Palicki (alle Deutsche Meister, Europameister und Weltmeister).

 

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Unmittelbar vor dem Start des Rennens drehten die Fahrer- hier Florian -in der Mitte der Arena locker die letzten Runden

 

Über die Lautsprecher der Radrennbahn wurden wir zum Start gebeten. Jens gab uns aufmunternde Worte mit auf dem Weg. Maurice und Stefan stellten sich an die Start/Ziel Linie, Florian und Holger warteten auf der Gegengeraden auf den Startschuss. Startschuss.
Auf ging es in eine neutralisierte Runde.

 

Und nun zum Rennen

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